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Klosterhotels – Enthaltsamkeit im Luxus-Ambiente


Klosterhotels – Ruhe und Selbstkontemplation ohne Verzicht auf Komfort


Dort wo früher Nonnen oder Mönche einem strikten Lebensrhythmus folgten, trifft man heutzutage auf immer mehr Angebote von Klosterhotels.
Diese vereinen oft die Atmosphäre eines zugleich historischen und mystischen Orts mit Standards der gehobenen Hotelkategorie. Karge Zellen und kaltes Gemäuer weichen den Komfortansprüchen von heute.

Neben einem deutlichen Rückgang an Interesse am christlichen Klosterleben als Nonne oder Mönch,
kann man in den mittleren und höheren Gesellschaftsschichten des Okzidents eine deutliche Hinwendung zu Spiritualität und Selbstfindung verzeichnen. Der durch Medien, Internet und eine starke Reizüberflutung geprägte Alltag weckt bei den meisten Menschen immer stärker ein Bedürfnis nach Entschleunigung, Innenschau und Kontemplation.

Diesem Bedarf können Klosterhotels, welche in Deutschland in den letzten zehn Jahren verstärkt zu finden sind, mit ihren Angeboten auf ausgezeichnete Art und Weise begegnen: Das Kloster als Ort steht bereits implizit für Gebet, Exerzitien, innere Schulung, Kontemplation, Selbstfindung und Stille. Da ist es kein weiter Schritt mehr zu einer säkularisierten Verwendung des spirituell aufgeladenen Umfelds, in der für den gestressten Großstadtbewohner plötzlich Entschleunigung und Gelassenheit im Vordergrund stehen können.

Komfort an einem Ort von Entbehrung, Askese und Enthaltsamkeit?

Auf den ersten Blick erscheinen die Grundwerte, welche beim Angebot eines Klosterhotels aufeinanderprallen, paradox zu sein. Die Klosterorden wurden durch einen oft starken personellen Rückgang in den letzten Jahrzehnten zu einem Umdenken in der Nutzung Ihrer Räumlichkeiten gezwungen. Auf diese Weise wurde allmählich eine Öffnung in Richtung weniger vom christlichen Glauben, als denn von einer allgemeineren, oft auch von fernöstlichen Philosophien geprägten Nachfrage nach Innenschau und Spiritualität, im Rahmen der Klöster möglich.

Der finanzielle Bedarf für den Unterhalt der von immer weniger Menschen genutzten Klostergebäuden verstärkten diese Entwicklung noch. Durch die Schaffung von Klosterhotels und der damit verbundenen erneuten und fast unbemerkt voranschreitenden Säkularisierung begegneten die Klöster jedoch einer steigenden Nachfrage auf einem stark wachsenden Markt. Darüber hinaus blieb für Moral oft aufgrund vorhandener finanzieller Engpässe kein Raum.

Klosterhotels – Paradoxon oder Spiegel der Gesellschaft

Klosterhotels vereinen in sich eine Vielzahl an Bedürfnissen und Strukturen unserer heutigen Gesellschaft. Der Drang nach Wohlstand und Komfort sowie auch nach Glück und Selbstfindung durch innere Schulung waren selten so stark ausgeprägt. In einem gehobenen Klosterhotel finden diese Aspekte auf gewisse Art und Weise an einem Ort zusammen. Ist dies aber nun als verwerflich anzusehen? Vermutlich nicht; es ist schließlich ein immer weiter verbreitetes Phänomen unserer gesellschaftlichen Wohlstandsrealität geworden, welches einfachen Regeln von Angebot und Nachfrage eines Markts folgt.

Unser heutiger Alltag ist stets von vorgefertigten Strukturen und hohem Tempo geprägt. Ohne gelegentliche Stille und Kontemplation kann dies zu Verlust von Ruhe und Gelassenheit, und somit zu einer eingeschränkten Lebensqualität führen.

Auch wenn in einem Klosterhotel in gehobenem Ambiente Formen von Mystik in der Regel ohne rituelle Exerzitien angeboten werden
oder das Ziel innerer Schulung auch ohne christliches Gebet erreicht werden kann, scheint dies trotz aller Widersprüche durchaus einen möglichen Weg darzustellen, eine Wohlstandsgesellschaft für spirituelles Gedankengut zu öffnen und so zwei zentralen Bedürfnissen unserer Zeit zu begegnen – Seelenglück und Wohlstand.

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